Bewerbungstipps

Gut, dass wir uns gefunden haben – wie bewerbe ich mich in der Chirurgie?


Was? Sie wollen operieren? Verstehen wir – ehrlich.
Der erste Schritt auf der chirurgischen Karriereleiter ist die Bewerbung. Im Gespräch mit seinem potentiellen Chef eine gute Figur abzugeben, ist jedoch sicher leichter gesagt als getan. Für einen guten Start gibt es hier deshalb ein paar wichtige Tipps – den Rest müssen Sie dann schon selbst machen.


Checkliste für das Bewerbungsgespräch

Bei welcher Klinik handelt es sich wirklich um ein weiterbildungsfreundliches Krankenhaus? Welche Klinik passt wirklich zu Ihnen und Ihren Bedürfnissen?
Diese Checkliste sollten Sie im Vorfeld Ihres Bewerbungs-gespräches oder auch bei der Auswahl der Klinik bearbeiten. Zur Checkliste


Will ich wirklich Chirurg werden?

Vor der Bewerbung steht natürlich die Meinungsbildung. ›Was will ich eigentlich?‹ ist die gar nicht so einfache Frage, die über das rein Medizinische weit hinausgeht. Der spätere Beruf soll rundum passen, und dazu gehören in der Chirurgie natürlich auch Arbeitsumfang, Lebensstil und Verdienst.

Tipps
Nehmen Sie Ihre Praktika ernst. Beurteilen Sie neben dem Fach auch den Arbeitsalltag, die Patienten und Ihre Kollegen. Mit allem müssen Sie später 8 bis 12 Stunden am Tag leben.

Testen Sie Ihre Interessen. Studieneinsätze in
der Klinik sollten keine Pflichtveranstaltung sein. Auch das schlechteste Praktikum kann bei der Meinungsbildung helfen.

Probieren Sie Ihr handwerkliches Können. ›Kann ich Blut sehen‹ reicht nicht aus. Chirurgie braucht jeden Tag sichere und geschickte Hände.

Beurteilen Sie den Arbeitsalltag. Neben dem Operieren verlangt das Daily Business des Chirurgen auch Stehvermögen auf der Station, in den Funktionsbereichen und im Dienst.

Denken Sie an Familie. Kein Beruf darf eine Fami- lienbildung ausschließen und Chirurgen sind traditionell kinderreich. Aber im gelebten Alltag gibt es schon Unterschiede zu manchen konservativen Fächern.

Hören Sie auf Ihr Herz. Leidenschaft ist der wichtigste Motor im Berufsalltag und wird Sie sicher durch jedes Tal der Tränen tragen.

Folgen Sie Ihrer Berufung.



Wie komme ich an das Ziel Chirurgie?

Der Weg in die Chirurgie geht durchs Zimmer vom Chef. Das ist gar nicht so schwer, aber trotzdem gibt es ein paar Fettnäpfchen und ›no go’s‹, die es im Anschreiben und beim ersten Besuch zu vermeiden gilt.

Tipps
Schreiben Sie knackig und aussagekräftig. Alles, was man sagen möchte, in eine Seite zu packen ist nicht leicht. Lassen Sie sich deshalb bei der Formulierung ausreichend Zeit. Und schütten Sie nicht Ihr ganzes Herz aus - weniger ist manchmal mehr.

Zeigen Sie sich von Ihrer besten Seite. Bewerbungsphotos sind ein wichtiger Türöffner. Der Pixi-Automat vom Bahnhof ist da einfach nicht gut genug.

Bieten Sie Leistung. Auch wenn man als Berufsanfänger noch wenig auf der Habenseite stehen hat, sollte man mit seinen Qualitäten nicht geizen. Legen Sie Ihrer Bewerbung neben den üblichen Zeugnissen auch alle Sonderqualitäten bei.

Erklären Sie sich. Die wichtigste Frage im ersten Bewerbungsgespräch wird sich um das ›Warum?‹ drehen. Erläutern Sie im Gespräch also, warum Sie unbedingt Chirurg werden wollen.

Fordern Sie Leistung. Jede Klinik wird sich in der Vorstellung von der besten Seite zeigen. Lesen Sie aber auch zwischen den Zeilen. Gespräche mit Assistenten oder auch eine Hospitanz kann man durchaus einfordern.

Seien Sie offen. Im Bewerbungsgespräch sind oft die ersten 5 Minuten entscheidend – und zwar für beide Seiten. Doch es gibt auch im Beruf die Liebe auf den zweiten Blick.



Wo ist Chirurgie am schönsten?

Die Wahl der richtigen Klinik ist sicher schwer. Aber auch hier gibt es orientierende Kriterien, die einem die Entscheidung leichter machen können. Nur Mut!

Tipps
Fragen Sie nach Details. Von großer Bedeutung ist hier der prozentuale Anteil an Weiterbildungs-OPs. Denn nur die werden potentiell von Ihnen vorgenommen. Fragen Sie auch nach Logbuch, Rotationsplan, Intensivstation und Weiterbil- dungsgesprächen. Die sind alle Pflicht.

Lesen Sie das Internet. Jede Klinik muss im Internet einen Qualitätsbericht offen legen. Dieser Bericht ist für jeden einsehbar. Hier lassen sich die Schwerpunkte der Klinik gut erkennen. Nicht jeder operiert alles.

Besuchen Sie Kongresse. Auf Kongressen oder Symposien kann man seinen zukünftigen Chef unter Umständen schon mal erleben. Der Klinikalltag wird noch davon abweichen, aber die Grundzüge bleiben meist die gleichen.

Erkennen Sie Ihre Konkurrenz. Es ist sicher hilfreich, die Struktur der Kollegenschaft orientierend zu kennen. Fragen Sie ausdrücklich, wer sich mit Ihnen im gleichen Ausbildungsstand bewegt. Diese Kollegen sind Ihre direkte Konkurrenz.

Sprechen Sie mit Assistenten. Ein Rundgang durch die Abteilung und das Krankenhaus lassen technische Ausstattung und Atmosphäre erkennen. Noch besser sind Kontakte zu den Assistenten. Die Kollegen informieren oftmals direkter.

Nutzen Sie die Hospitanz. Eine Hospitanz über
1 oder 2 Tage legt vieles offen, was in einem einfachen Gespräch verborgen bleibt. Bitten Sie um die Gelegenheit, die Klinik in der täglichen Praxis zu erleben. Es lohnt sich immer.



Wie plane ich eine chirurgische Karriere?

Eine verlässliche Karriereplanung ist bei einer 6-jährigen Weiterbildungszeit sicher schwierig. Neben der langen Zeit sind auch eine große Menge Lernkurven zu überwinden. Doch auch hier gibt es Orientierungspunkte, die helfen können.

Tipps
Informieren Sie sich. Grundlage jeder Facharztweiterbildung sind die Weiterbildungsverordnungen der Landesärztekammern, die im Internet einsehbar sind. Das Säulenmodell der Chirurgie und den Common Trunk > stellen wir hier vor.

Entscheiden Sie sich. Chirurg wird man im Kran- kenhaus, doch hier gibt es unterschiedliche Versorgungstypen. Der Arbeitsalltag in einer Universität oder einem Lehrkrankenhaus unterscheidet sich zum Teil erheblich.

Setzen Sie sich Ziele. Niederlassung, Oberarzt und leitende Position stellen die beruflichen Endziele eines Chirurgen dar. Definieren Sie Ihre persönliche Vorstellung. Das erleichtert die erste Auswahl des Arbeitgebers.

Erzeugen Sie Transparenz. Alle sechs bis zwölf Monate sollten Sie das bisher Erreichte zusammenfassen. Ein regelmäßig aktualisierter OP-Katalog und eine kritische Durchsicht der eigenen Lernfortschritte bieten eine objektive Leistungsbilanz.

Bleiben Sie flexibel. Der aktuelle Arbeitsmarkt erlaubt Ihnen, die Versorgungsstufe jederzeit zu wechseln. Keine Entscheidung muss damit die letzte bleiben.

Ziehen Sie Konsequenzen. Nicht jeder Deckel passt auf jeden Topf und nicht jeder Assistent zu jedem Chef. Wenn es nicht gut läuft, kann die Lösung auch mal ein Stellenwechsel sein. Scheiden tut dann gar nicht so weh.